Sardinien(Sardegna) - zu Italien gehörende Insel im Mittelmeer,
westlich vom italienischen Festland, unmittelbar südlich von
Korsika, von dem es durch die Straße von Bonifacio getrennt
ist.
Zusammen mit einigen Nebeninseln bildet Sardinien die gleichnamige
italienische Region. Sardinien ist mit einer Fläche von 23
318 Quadratkilometern nach Sizilien die zweitgrößte Insel
im Mittelmeer. Die Länge beträgt rund 270 Kilometer, die
maximale Breite etwa 120 Kilometer. Höchste Erhebung der gebirgigen
Insel sind die bis zu 1 834 Meter hohen Monti del Gennargentu im
Zentrum der Insel. Hauptstadt der Insel ist Cagliari
an der Südküste, weitere wichtige Städte sind Nuoro
im Osten und Sassari
im Nordwesten. Die Einwohnerzahl von Sardinien beträgt etwa
1,7 Millionen.
Wegen der Abgelegenheit der Insel konnten die Sarden ihre eigenständige
Sprache bewahren; der überwiegende Teil der Bevölkerung
spricht Sardisch. Die Landwirtschaft zählt immer noch zu den
wichtigsten Wirtschaftszweigen, auch wenn sie als Haupteinnahmequelle
hinter den Fremdenverkehr zurückgetreten ist. In den fruchtbaren
Ebenen werden vor allem Getreide, Gemüse und Tabak kultiviert.
In den Hügel- und Bergländern dominiert neben dem Anbau
von Oliven, Wein und Mandeln auch die Weidewirtschaft mit Schaf-,
Ziegen- und Rinderhaltung. Das fruchtbarste Gebiet befindet sich
im Campidano, einer Ebene im Südwesten der Insel. Der Bergbau
hat in den vergangenen Jahrzehnten stark an Bedeutung eingebüßt,
die Fördermengen an Zink-, Blei- und Kupfererzen gingen drastisch
zurück. Wichtigster Produktionsstandort ist Cagliari.
Mit zunehmender touristischer Nutzung ging eine Aufwertung des Kunsthandwerks
einher.
Archäologische Funde belegen eine Besiedlung der Insel seit
etwa 2000 v. Chr. Im 9. Jahrhundert v. Chr. kamen Phönizier
nach Sardinien, denen die Karthager folgten. Nach der Entdeckung
einer punischen Grabkammer im August 2002 gilt der Einfluss Karthagos
bereits für das 5. Jahrhundert v. Chr. als gesichert. 238 v.
Chr. wurde die Insel an Rom abgetreten. Nach dem Untergang des Römischen
Reiches wurde Sardinien von den Wandalen erobert, im 6. Jahrhundert
n. Chr. fiel es an das Byzantinische Reich. Vom 8. bis zum 11. Jahrhundert
wurde Sardinien immer wieder von den Sarazenen heimgesucht. In den
folgenden Jahrhunderten kämpften Pisa und Genua um den Besitz
der Insel. Der Papst, der die Oberherrschaft über die Insel
beanspruchte, übergab Sardinien 1297 an die Krone von Aragonien.
Im Frieden von Utrecht, der den Spanischen Erbfolgekrieg beendete,
wurde die nunmehr spanische Insel 1713 Österreich zugesprochen.
1720 fiel Sardinien im Tausch gegen Sizilien an die Herzöge
von Savoyen. Zusammen mit Savoyen, Piemont und Nizza bildete die
Insel das Königreich Sardinien. 1861 wurde dieses dem Königreich
Italien angegliedert. Seit 1948 ist Sardinien eine der 20 Regionen
der Republik Italien. Ebenso wie Sizilien,
das Aostatal,
Friaul-Julisch-Venetien
und Trentino/Südtirol
besitzt es einen Sonderstatus, der eine besondere Form der Selbstverwaltung
garantiert.